FIENSTEDT | SALZATAL

ES IST VOLLBRACHT

Gestaltung des Dorfensembles Fienstedt – Neupflanzung von Pappeln und Restaurierung des Kriegsgefallenendenkmals

November 2017

ES IST VOLLBRACHT Gestaltung des Dorfensembles Fienstedt – Neupflanzung von Pappeln und Restaurierung des Kriegsgefallenendenkmals

Pappelring: „Die Pappel ist der Baum der Götterstimmen.“



Gut zu erkennen sind die beiden Pappelringe. Das Foto entstand 1929 an Himmelfahrt. Gut zu erkennen sind die beiden Pappelringe. Das Foto entstand 1929 an Himmelfahrt.

Mittelpunkt des Dorfes ist der Dorfanger, der durch den Pappelring eine mystische Wirkung erhält.

 

Der jetzige große Ring mit ehemals ca. 30 Pappeln wurde bei der Neugestaltung des Platzes 1965 angelegt. Davor hatte der Platz zwei einzelne Pappelringe, einen größeren und einen kleineren: „Mittelpunkt der Siedlung ist bis heute der Quell, daneben der Dorfteich und die beiden Zwölf-Pappel-Kreise, die die Bauernsteine einschließen.“ (Neuss 1938)

 

Im April 2006 mussten die Pappeln gestutzt werden – erste Pappeln dieses Ringes waren da sogar bereits gefällt. Aber neue wurden bereits gepflanzt – die ersten im Rahmen des Freiwilligentages 2014. „AUFPÄPPELN" – eine Idee des Fienstedter Steffen Wendt – wird so zu einem identitätsbewahrenden und -stiftenden Projekt für Fienstedt.

2012 2012
1924 1924
Blick vom Kirchturm Blick vom Kirchturm
Verschnitt der Pappeln im April 2006 Verschnitt der Pappeln im April 2006

Die Pappel – von den Kelten verehrt

Pappeln sind das schnellwachsendste einheimische Nutzholz. Sie suchen das Licht, während sie sich breit und tief verwurzeln. Schnell erreichen die Wurzeln jedes noch so kleine, lebensnotwendige Wasserreservoir. Aber der Baum speichert die Feuchtigkeit nicht, sondern gibt sie gleich wieder ab.

 

Von sanftem Wellenrauschen bis zum Brausen eines Wasserfalls klingen die Blätter der Pappel im Wind - und machen sie so eindeutig erkennbar.

 

Die Ausgewogenheit im Geben und Nehmen der Pappel, ihr vielseitig verwertbares Holz und damit ihr hoher Nutzen, veranlasste die Kelten, diesem Baum gleich drei Jahresperioden (4. bis 8. Februar, 1. bis 14. Mai und vom 5. bis 13. August) zu widmen. Das schnelle Wachstum war ihnen ein Zeichen des Strebens nach Überwindung der Ungewissheit.
FOTO vom 13.07.1918, 8,2 x 11,2 cm, Original, aus dem Album: Deutsche Dorfkirchen, Dorfstraßen, Dorfbrunnen, Bauernhöfe und Dorflandschaften in wahlloser Reihenfolge. Photographische Aufnahmen von H. Eschenhagen, Regierungs-Oberlandmesser.                           FOTO vom 13.07.1918, 8,2 x 11,2 cm, Original, aus dem Album: Deutsche Dorfkirchen, Dorfstraßen, Dorfbrunnen, Bauernhöfe und Dorflandschaften in wahlloser Reihenfolge. Photographische Aufnahmen von H. Eschenhagen, Regierungs-Oberlandmesser.
Kleiner Pappelring 1918. Anzunehmend ist, dass Neuss bei seiner Wanderung 1938 auch diesen kleineren Pappelring gesehen hat und es schwer nachvollziehbar ist, warum er von zwei „Zwölf-Pappel-Kreisen“ schreibt. Oder gab es dazwischen eine weitere Umgruppierung der Pappelringe?

Populus, Aspirin und Propolis

Populus – Volk

Der Name Populus wurde bereits vor Linné benutzt. Im Lateinischen ist das Wort pōpulus (feminin im Gegensatz zum maskulinen populus, das „Volk“ bedeutet) seit Cato dem Älteren belegt, stets in der Bedeutung Pappel.

Der deutsche Name Pappel leitet sich vom althochdeutschen popel, mittelhochdeutsch papele, papel gleicher Bedeutung ab.

 

Die Pyramidenpappel, erkennt man an ihrer typischen, weithin sichtbaren sich nach oben verjüngenden schlanken Gestalt, sowie ihrem relativ dicken Stamm und der starkästigen Krone.

Pappel als Vorläufer des Aspirins

Präparate aus der Pappel (Populus spec.) gelten traditionell und auf Grund der Inhaltsstoffe als entzündungshemmend, schmerzstillend, antibakteriell und wundheilungsfördernd. Die Heilpflanze wird daher bei Hautverletzungen und Rheumaschmerzen sehr geschätzt. Die Pappel enthält wie auch die verwandte Weide Salicin - den Vorläufer des Aspirins.

 

Salicin und ähnliche Verbindungen werden von der Pappel eigentlich als Fraßschutz gegen Insekten produziert - im Menschen wirken sie antientzündlich. Das wussten die meisten Naturvölker, die alten Griechen und Hildegard von Bingen – alle kannten und nutzten die natürlichen Quellen von Salicin gegen entzündliche Beschwerden aller Art. Auch die Bienen verwenden übrigens den Schutzüberzug von Pappelknospen und stellen ihr antibiotisch wirksames Kittharz (Propolis) daraus her.

 

In der alten Heilkunde kochte man aus der Pappelrinde einen Sud. Auch der Saft der Blätter, Blattpulver und gequetschte Knospen fanden Anwendung. Pharmazeutisch eingesetzt werden heute nur noch Auszüge aus Pappelrinde und Blättern (in Form von Tropfen) oder Knospen als Creme. Pappel wird meist nur noch in Kombination mit anderen Heilpflanzen verwendet.

Pappelring e.V.

Pappelring e.V.

2010 gründete sich in Fienstedt der Heimat- und Kulturverein PAPPELRING. Es war nicht nur naheliegend sondern auch folgerichtig, dass sich der Verein nach dem Pappelring auf dem Fienstedter Dorfanger benannte.