FIENSTEDT | SALZATAL

Das Kriegsgefallenendenkmal



Auf dem Anger steht ein Gedenkstein, welcher für den I. Weltkrieg errichtet wurde. Auf der Spitze des Denkmals ist eine Urne zu sehen, früher krönte diese noch ein Adler. Der obere Teil ist von einer Girlande aus Eichenblättern umgeben. An der Frontseite ist ein Eisernes Kreuz ausgehauen, darüber die Inschrift: „Ihr gabt Euer Leben für Eure Brüder. Das dankt Euch die Gemeinde Fienstedt.“

Zu DDR-Zeiten krönte eine blecherne Friedenstaube das Denkmal, die aber auch bald verschwand. Das Denkmal war vom Dorfanger an die Kirche weggerückt.

Seit Mitte der 90er Jahre steht das Denkmal wieder auf dem Dorfanger, wenn auch nicht exakt am alten Ort.

2010 wurde das Denkmal restauriert. Aber eine Vielzahl von Namen waren nicht mehr vollständig zu entziffern. In mühevoller Kleinarbeit hat Pappelring-Vereinsmitglied Christoph Rost in den entsprechenden Kirchenbücher der Kirchengemeinde Fienstedt (Tauf- und Sterberegister) die unvollständigen Namen und Angaben recherchiert. Die Namen und Angaben auf dem Gedenkstein können nun ergänzt und korrigiert werden.

Die Namensliste



Ostseite
 
Res. OTTO ZIMMERMANN
geboren 1894
Taufregister: Carl Otto Zimmermann 02. April 1893 Pfützthal
Infanterie-Regiment 184
gefallen 2[*]. September 1914 bei Neuville
keine Eintragung im Sterberegister; Geb.-datum wurde dem Taufregister entnommen
Gedenkstein: Jahreszahl des Geb.-jahres falsch 1894; Datum könnte komplett angegeben werden
 
FRANZ DÖRGE
geboren am 01. November 1872
keine Eintragung im Taufregister, Daten aus Sterberegister erhoben
Gastwirt und (Fleischermeister)
Kanonier im Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 49
gefallen am 18. November 1914 bei Wi..kowie (heute Polen, Dt.-russ. Front) im Alter von 42, Kopfschuss
Gedenkstein: Geb.-jahr müsste 1872 sein bis dato 18__ angegeben
B.F.A.B. müsste geändert werden in R.F.A.R.
Korrektur Sterbedatum von 18. auf 19.11.1914
Vervollständigung Sterbeort Wi___ Witkowie
Deutsche Verlustlisten. 31. Dezember 1914, Ausgabe 296, S. 3927

Gren. CLAUS PAUL
geboren am 09. November 1892
Grenadier, Garde-Ersatz-Brigade, Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 1
Sterberegister(?): 1. Ersatz-Bataillon, Abteilung von Strenz (richtig milit. Oberst von Strantz)
gefallen am 08. April 1915 in Flirey (Verdun)/ Frankreich im Alter von 22 Jahren und 5 Mon.
Gedenkstein: Daten vollständig und richtig

Nordseite

EDUARD KLOTZSCH
geboren vermutl. 1895
keine Eintragung im Taufregister, vermutlich zugezogen
Landarbeiter ca. 20 Jahre alt
Musketier, 4. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 72, 8. Kompanie
gefallen am 10.07.1915 bei Arras/Frankreich
Gedenkstein: Sterbedatum /-ort 5.1915 b. A___s
Korrektur auf 10.07.1915 und Vervollständigung Ort Arras

Res. JOSEPH BURKHARDT
geboren am 11. April 1888
Stallpfleger bei Gutshof Zorn
Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 36, 8. Kompanie
verwundet am 04. November 1915 in Somme-Py (Champagne)/Frankreich
verstorben am 05. November 1915 in Aure im Alter von 27 Jahren
Gedenkstein: Reg. Bisher______36 mögliche Angabe von IR. 36
Ehrentafel des Reserve-Infanterie-Regiments 36
 
FRANZ MITTELBACH
geb. 28. November 1894
Schlosser, Enkel von Landarbeiter Ostwald
Musketier, 6. Ers._ Infanterie-Regiment Nr. 68, 8. Kompanie
verwundet am 08. März 1916 im Schützengraben bei Soissons, Minensplitter am Kopf,
gestorben am 09. März 1916, beerdigt auf Soldatenfriedhof in Frankreich
Gedenkstein: Sterbeort Soi__s, Vervollständigung Soissons
Deutsche Verlustlisten. 05. April 1916, Ausgabe 927, S. 11899

OTTO WINSEL
geboren am 04. August 1895
gem. Taufregister August Otto, Sohn von Friedrich Winsel,
Infanterie-Regiment Nr. 27
verwundet am 16. März 1916 durch Kopfschuß, verstorben am 20. März 1916 im Feldlazarett
Pont de Coumierer im Alter von 22 Jahren
Gedenkstein: Korr. Geb.-jahr 1885, (Fehler 20 Jahre)
richtig Cumieres / Kämpfe um Verdun / Front entsprach Kämpfen bei Cumieres
Angabe von IR 27; Geb.-datum 04.08.1895, Sterbedatum 20.03.1916
Deutsche Verlustlisten. 16. Mai 1916, Ausgabe 979, S. 12509
 
KARL KUTSCHER
geboren am 02. Oktober 1892
gem. Taufreg. Friedrich Carl
Landarbeiter
Musketier, Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 264, 10. Kompagnie
gefallen am 27.03.1916 am Narocz/Rußland (russ. Offensive am Narocz-See)
wurde von einer Granate am Fluß getroffen, so dass von ihm nichts mehr zu bergen war
Gedenkstein: Geb.-jahr bisher 1888 Korrektur
Angabe Geb.-datum 02.10.1892, Sterbedatum /-ort 27.03.1916 am Narocz IR 214
Deutsche Verlustlisten. 03. Mai 1918, Ausgabe 960, S. 12295
 
KARL BRINGEZU
geboren am 31. Juli 1898
gem. Taufregister Carl Franz
Krimpe, Wils
Infanterie-Regiment Nr. 23, 11. Kompanie
gefallen am 11. Juli 1916, beerdigt Soldatenfriedhof Duborvo
(Ort nicht gefunden, Kämpfe Pripjet-Sümpfe/Brussilow-Offensive, Ostfront)
Gedenkstein: Korrektur Geb.datum bisher 1_1886
Geb.-datum 31.07.1898, Sterbedatum /-ort 11.07.1916 Duborvo; IR 23
Deutsche Verlustlisten. 27. Juli 1916, Ausgabe 1067, S. 13589
 
HERMANN WÄCHTER
geboren am 13. März 1881
gem. Taufregister Carl Hermann
Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 232, 6. Kompanie
gefallen am 08. August 1916 in Wolhynien (Ostfront) im Alter von 35 Jahren
Gedenkstein: Korrektur Geb.-datum bisher 14.04.1881 auf 13.03.1881
Vervollständigung Namen und Reg., bisher Wachte____2 auf Wächter IR 232; Angabe Sterbeort Wolhynien
Deutsche Verlustlisten. 08. September 1916, Ausgabe 1145, S. 14677
 
Westseite

FRIEDRICH_________
im Sterberegister konnte keine Eintragung vorgefunden werden, auch eine Suche im Taufregister führte zu keinem Ergebnis, es besteht die Möglichkeit, dass die betreffende Person in einer anderen Kirchengemeinde wegen vorherigen Wegzugs o.ä. registriert wurde

OTTO THEISS
geb. 29. April 1881
gem. Taufregister Friedrich Otto
gefallen am 23. März 1918 bei Großangriff östlich von Channy
Gedenkstein: Korrektur Namen bisher Th_m in Theiss,
Korrektur Sterbedatum bisher 08.08.1918 auf das Datum 23.03.1918
ggf. Sterbeort b. Channy
 
GUSTAV KLEEMANN
geboren am 04. Februar 1889
Lehrer in Gerbstedt
verwundet am 18. April 1918 bei einem Sturmangriff bei Le Baszel durch fünf Maschinengewehrkugeln an Oberschenkeln, Beine wurden abgenommen,
verstorben am 05. Juni 1918 an Wundbrand
gem. Sterberegister 27 J. 4 Mon. –fehlerhaft, da 1889 geb.: 29 J. 4 Mon.
(18. April 1918 Beginn dt. Offensive auf den Kemmelberg/Flandern, La Bassee)
Gedenkstein: Ort Verwundung bisher La____ Nachtrag Baszel (Bassee)
Prüfung ob Reg./Kürzel D.-.grad vorhanden war/ ggf. Ltn. IR 361
militärisch beigesetzt in Fienstedt.
Grabmal befindet sich in der Reihe Friedhofsmauer Fienstedt:
Gustav Kleemann / Leutnant und Adjutant des 361. Inf.Reg.
Deutsche Verlustlisten. 23. Juli 1918, Ausgabe 1928, S. 23968
 
Südseite
 
„Ihr gabt Euer Leben für Eure Brüder.
Das dankt Euch die Gemeinde Fienstedt.“
Gemeindeinschrift mit EK vollständig
In den Verlustlisten des 1. Weltkrieges findet man weitere Gefallene aus Fienstedt, die aber auf dem Denkmal NICHT genannt werden.
Diese waren wahrscheinlich bei Dienstantritt bereits verzogen und sind so möglicherweise in anderen Orten auf ähnlichen Denkmäler verewigt.
Datum in Klammer ist das Erscheinungsdatum der Verlustliste
[Recherche: Steffen Wendt wendt@fienstedt.com]


1916
Gefr. KARL NULSCH
Fienstedt
gefallen [07. September 1916]
Deutsche Verlustlisten. 07.September 1916, Ausgabe 1143, S. 14813
 
Utffz. HERMANN LANDSMANN
Fienstedt
† am 28. September 1916 V. Thiepval
Deutsche Verlustlisten. 19. Oktober 1917, Ausgabe 1675, S. 21217 (dort noch: vermisst)
 
KARL REUßNER
geboren am 25. Juli 1884 Fienstedt, Mansfeld
gefallen [09. Septenber 1916]
Deutsche Verlustlisten. 09. September 1916, Ausgabe 1147, S. 14704
Gefallenendenkmal der Jäger in Naumburg
 
Uffz. KARL ADAM
Fienstedt
gefallen [14. Septenber 1916]
Deutsche Verlustlisten. 14. September 1916, Ausgabe 1155, S. 14813
 
1917
Vzfeldw. HERMANN SCHMIED
geboren am 07. November 1887 Fienstedt, Mansfeld
gefallen [12. Januar 1917]
Deutsche Verlustlisten. 12. Januar 1917, Ausgabe 1336, S. 17126

FRANZ RONNEBURG
geboren am 02. Mai 1877 Fienstedt
gefallen [09. Juni 1917]
Deutsche Verlustlisten. 09. Juni 1917, Ausgabe 1493, S. 18979
 
Gefr. OTTO BRANDT
geboren am 13. August 1893 Fienstedt
gefallen [16. Juni 1917]
Deutsche Verlustlisten. 16. Juni 1917, Ausgabe 1504, S. 19120
 
Utffz. WILHELM FINKE
geboren am 01. Juli 1887 Fienstedt
gefallen [13. Juli 1917]
Deutsche Verlustlisten. 13. Juli 1917, Ausgabe 1545, S. 19612
 
KARL ARNDT
geboren am 11. Dezember 1883 Fienstedt
gestorben in Gefangenschaft [08. Dezember 1917]
Deutsche Verlustlisten. 08. Dezember 1917, Ausgabe 1740, S. 14704
 
1918
KARL STRIEN
geboren am 08. August [*] Fienstedt, Mansfeld
gestorben an seinen Wunden [08. Mai 1918]
Deutsche Verlustlisten. 08. Mai 1918, Ausgabe 1887, S. 23479
vermutlich gestorben am 06.03.1918 Granittafel Kirchhofmauer Lieskau
 
Gefr. FRANZ BECKER
geboren am 12. November [*] Fienstedt, Mansfeld
gefallen [10. Mai 1918]
Deutsche Verlustlisten. 10. Mai 1918, Ausgabe 1888, S. 23488
 
KARL KOHLMANN
geboren am 18. Juni [*] Fienstedt, Mansfeld
gefallen [04. November 1918]
Deutsche Verlustlisten. 04. November 1918, Ausgabe 2190, S. 27452
 
FRANZ MOHR
geboren am 10. Dezember [*] Fienstedt, Mansfeld
gefallen [26. Juni 1918]
Deutsche Verlustlisten. 26. Juni 1918, Ausgabe 1972, S. 24585
 
 
Ein ziemlich ähnliches Denkmal mit noch erhaltenem Adler befindet sich auf dem Friedhof Schwittersdorf.

NEU

NEU
Auf dem Kriegsgefallendenkmal auf dem Dorfanger sind 13 Tote verewigt, aber es gab mindestens noch einmal so viele Fienstedter, die in diesem Krieg ihr Leben lassen mussten. [Verwundete, vermisste und gefallen Fienstedter in der Verlustliste 1914 bis 1919]
Zu DDR-Zeiten stand das Denkmal vor der Kirche.
Heute steht das Denkmal wieder auf dem Dorfanger, umgeben vom Pappelring aus den 60er Jahren.

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