FIENSTEDT | SALZATAL

Die DEFA lässt 1973 Ignaz Wolz alias Max Hoelz durch das Mansfelder Land „ballern“

Einige Szenen wurden auch in Fienstedt gedreht



Am 15. September 1933, also genau vor 90 Jahren, ertrank in der Oka bei Gorki unter ungeklärten Umständen Max Hoelz. Aber der sogenannte „Rote Robin Hood“ aus dem Vogtland war ein guter Schwimmer und so nährte dieser Tod schon damals das Legendenbild dieses Mannes, wie auch schon sein gesamtes Wirken zuvor.

Während der Märzkämpfe 1921 taucht er im Mansfelder Land auf. Wegen seiner unkontrollierten bewaffneten Aktionen, wie schon zuvor 1920 im Vogtland als linke Reaktion gegen den Kapp-Putsch, wird er nicht nur aus der KPD ausgeschlossen sondern auch zum Staatsfeind Nr. 1. Denn er zündet Villen von Reichen an, zwingt Gutsbesitzer zur Herausgabe von Geld und Lebensmittel und verschenkt es an die Armen, befreit gefangene Gefährten, verbrennt Gerichtsakten. 1921 wird er wegen des Mordes an Gutsbesitzer Heß aus Gütz bei Landsberg, den er nicht begangen hat, zu lebenslanger Haft verurteilt. Für seine Freilassung setzen sich auch Bertolt Brecht, Albert Einstein, Thomas Mann, Egon Erwin Kisch, Otto Dix und Käthe Kollwitz ein. Freigelassen emigriert er 1929 auf Einladung Stalins in die Sowjetunion.

Zeuge der „letzten Schlacht“ von Hoelzs Truppe bei Beesenstedt wird der damalige Fienstedter Pfarrer Kurt Thiemann. Auf den letzten Seiten des damaligen Taufbuches führt er Tagebuch und so findet man am 01. April 1921 u.a. folgende Eintragungen: „... Der Bahnhof in Beesenstedt war in die Luft gesprengt. Die Gutsbesitzer Bedau, Boltze, Zorn haben sich heute früh nach Halle in Sicherheit gebracht. [...] Um 2 Uhr (entwickelt) sich ein Gefecht, das wir z.T. vom Kirchturm aus beobachten konnten. Die Kommunisten hatten sich auf Johannashall eingenistet, die nun beschossen wurden.“

Hoffen und Fluch. Bei der Bewertung von Max Hoelz Wirken gehen die Meinungen weit auseinander. Auch die DDR tat sich schwer bei einer Beurteilung. Erst der Terrorismus in der Bundesrepublik ermöglichte 1973 einen Film, in dem sich der andere deutsche Staat zu Anarchismus und Waffengewalt äußern wollte. Aber aus Max Hoelz musste die DEFA Ignaz Wolz machen, dem der parteilinientreue Kommunisten Ludwig zur Seite gestellt wurde.

Nach einem Drehbuch von Günther Rücker drehte Günter Reisch den Film „WOLZ – Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten“ an vielen Orten vor allem im Mansfelder Land, an der Saale, in Gerbstedt, Hettstedt und Helbra. Mindestens sechs Kameraeinstellungen können in Fienstedt lokalisiert werden. Regisseur Reisch bezeichnet diesen Film als seinen besten, aber der Film fand nicht nur Freunde. Die Chemnitzer SED-Leitung versuchte ein Filmverbot in ihrem Bezirk durchzusetzen, tschechische Verantwortliche verhinderten eine Filmaufführung in Karlovy Vary und bundesdeutsche auf anderen Filmfesten.

 

„WOLZ – Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten“
DEFA 1973, 110 min.
Premieredatum: 31.01.1974
Regie: Reisch, Günter

Drehbuch: Rücker, Günther

Kamera: Brauer, Jürgen

Szenarium: Rücker, Günther

Dramaturg: Beck, Werner

Szenenbild: Adam, Dieter

Kostüm: Forchner, Ewald

Komponist: Sasse, Karl-Ernst

Darsteller:

Adomaitis, Regimantas (Wolz)

Berner, Erwin (Bruder von Agnes)

Brunecker, Wolfgang (Vater von Agnes)

Colditz, Rolf (Verwalter)

Drescher, Günter (Der Ältere)

Gehrke, Klaus (Der Lange)

Gerberding, Erich (Fabrikant Rohne)

Goette, Wolf (Bürgermeister)

Grosse, Herwart (Vetter von Agnes)

Hoffmann, Adolf Peter (Oberst)

Hölzel, Peter (Kassierer)

Kleinstück, Rainer (Rudi)

Lubschin, Stanislaw (Ludwig)

Panknin, Jörg (Morgner, Begleiter von Wolz)

Wenzel, Heidemarie (Agnes)

Synchronisation (Sprecher):

Fritzsche, Justus (Ludwig)

Wolff, Gerry (Wolz)

DEFA-Filmplakat von 1973 DEFA-Filmplakat von 1973

Max Hoelz
*14. Oktober 1889 in Moritz bei Riesa;
†15. September 1933 bei Gorki, UdSSR

[Wikipedia: Max Hoelz]

[Film: Max Hoelz der Revolutionär Teil  12 ]

Historisches Flugblatt

 Aufruf: Halle, 1919 Aufruf: Halle, 1919

Ein Fienstedter Augenzeuge

 Pfarrer Thiemann konnte vom Fienstedter Kirchturm aus die Gefechte bei Beesenstedt beobachten. Seine Aufzeichnungen befinden sich auf den letzten Seiten des Taufbuches von St. Stephanus. Pfarrer Thiemann konnte vom Fienstedter Kirchturm aus die Gefechte bei Beesenstedt beobachten. Seine Aufzeichnungen befinden sich auf den letzten Seiten des Taufbuches von St. Stephanus.
Hoelz schrieb 1929 die Autobiografie „Vom weißen Kreuz zur roten Fahne“.“ Die Ereignisse von Beesenstedt beschreibt er dort wie folgt.

„Max Hölz ist wieder da“

Das Gedicht schrieb Erich Mühsam während der Festungshaft im April 1920
Vertont und gesungen von Frank Spilker und Knarf Rellöm von DIE STERNE: [YOUTUBE]
[Gedicht]

Gerechtigkeit für Max Hoelz

1924 forderten u.a. Thomas Mann, Albert Einstein, Kurt Tucholsky, Johannes R. Becher, Heinrich George und Heinrich Zille als „Neutrales Komitee für Max Hölz" die Überprüfung des Urteils von 1921 und seine Freilassung aus dem Zuchthaus.