FIENSTEDT | SALZATAL

Mansfelder Grafen+Sequestration

1050–1579

Für das 9./10. Jh. wird eine Kirchengründung in Fienstedt vermutet.
[Erich Neuß]
 
Erste urkundliche Erwähnungen des Ortes:
1222 Finegestad
Urkunde des Grafen Siegfried von Blankenburg für das Kloster Münzenberg bei Quedlinburg
1288 Vinstede
Vinstede auch genannt 1314 (Magdeburger Urkunde Nr. 48): Bischof Hermann von Belluno bestätigt, daß die von Graf Werner I. von Hadmersleben-Friedeburg im Kloster Marienstuhl in Egeln erbaute Kapelle Sankt Andreas von ihren Stiftern mit 7 Hufen Land bezahlt worden sei. Die Einweihungsurkunde ist datiert am 16. July 1314 zu Vinstede.
 
1505 Finstede

Schlacht bei Beesenstedt



Am 27. Oktober 2013 wurde beim sog. Soldaten- grund nur wenige Kilometer von Fienstedt entfernt ein Gedenkstein anlässlisch des 750. Jahrestages eingeweiht. Am 27. Oktober 2013 wurde beim sog. Soldaten- grund nur wenige Kilometer von Fienstedt entfernt ein Gedenkstein anlässlisch des 750. Jahrestages eingeweiht.
Die Schlacht bei Beesenstedt am 28.Oktober 1263 besiegelt das Ende des Thüringer Erbfolgestreites zwischen Sophie von Brabant und Heinrich dem Erlauchten von Wettin. 9 Stunden bekämpften sich die Truppen, 800 (fast die Hälfte der Kämpfenden) fielen.

Wettermacher Doctor Pfeil und die katholischen Pfarrer



 Wettermacher Doctor Pfeil und die katholischen Pfarrer

Cyriacus Spangenberg (1528-1604), Sohn des Reformators Johannes Spangenberg, Chronist der Grafschaft Mansfeld: Spangenberg erzählt auch manches über Irrung und Unglück im Dorfe:

 

Feldhändel, Brandstiftungen, Viehstreitigkeiten, Sterben von Mensch und Tier; vom Wettermacher Doctor Pfeil, der ein alter Fienstedter Bauer war; von der Seuche im Jahre 1530, die nicht aufhörte, ehe man dem unlängst an eben dem Übel gestorbenen Pfarrer Johann Reiser den Hals mit einem Grabscheit abstach. Der Küster wollte nämlich gehört haben, wie der Verstorbene im Grabe schmatzte und um sich fraß. Damals starben vier Fienstedter Pfarrer binnen wenigen Monden hintereinander an der furchtbaren Seuche.

Fienstedts Seelsorger sind seit 1428 namentlich und in ihren Lebensumständen bekannt. Davon dreizehn allein aus katholischer Zeit. Der letzte war Cyriax Körber, der um das Jahr 1557 lebte, dann seine Köchin heiratete und als erster protestantischer Geistlicher nicht übel seines Amtes waltete. Aber vor ihm welche Schicksale und welche Männer oft! Der eine von seltsamen und ärgerlichem Wandel, der andere wieder unsträflich, der eine „wunderbatlicher Meßpriester“, der nach der Messe regelmäßig ein gut Teil Pflaumen verzehrte, und wenn ihn seine Bauern daraufuin anredeten, antwortete: „Ein paar Pfläumichen, ein paar Pfläumichen, was kann das schaden.“ Der andere absolvierte seine Beichtkinder mit einem langen Messer, das stets am Altare lehnte, überdies hatte er eine Köchin nach der andern. Jacobus Boltze, Lorentz Boltzens Sohn, begegnete uns schon. Paul Hartmann wieder war ein guter Vogelsteller, Herr George aber erzürnte sich in der Beichte über ein Pfarrkind, verlor auf den Ostertag die Sprache und ließ sich zum Sterben in die einsame Klus von Lüttchendorf bringen.

[aus: Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld, Neuß, 1938]

 

[Mehr über die Pfarrer von Fienstedt]

Ausschnitt ausa: Comitatus Mansfeld : prout ille iuris hodie Saxonico-Electoralis et Magdeburgici, atque adeo secundum statum novissimum se habet / geographice ab anonymo delineatus. Ad normam legitimae designationis reductus a Tob. Maiero. Curantibus Homannianis Heredibus. 	 [Nürnberg] : Homanniani Heredes, s.a. [nach 1751] Ausschnitt ausa: Comitatus Mansfeld : prout ille iuris hodie Saxonico-Electoralis et Magdeburgici, atque adeo secundum statum novissimum se habet / geographice ab anonymo delineatus. Ad normam legitimae designationis reductus a Tob. Maiero. Curantibus Homannianis Heredibus. [Nürnberg] : Homanniani Heredes, s.a. [nach 1751]

Mansfelder Grafen



1442 erwarben die Grafen von Mansfeld (Volrath und Gebhardt VI.) die Herrschaft Friedeburg (erstmalig bereits 1264, aber nur kurz in Besitz) sowie den Bezirk des wüsten Schlosses Salzmünde u.a. mit Fienstedt.

Im Jahre 1450 wurde 1/3 der Bevölkerung in der Grafschaft Mansfeld ein Opfer der Pest, ebenso liegen Berichte über Epidemien vor aus den Jahren 1530 (großes Sterben auch in Fienstedt), sowie 1549-1552, 1558, 1559, 1607-1616, 1626, 1636 und 1681.

Zwei Erbteilungen der Grafschaft Mansfeld: die erste (1501), nach dem Tode Volrads III., spaltete das Haus Mansfeld in die Grafen zu Mansfeld-Vorderort, -Mittelort, und -Hinterort. 1519 Hoyer der IV. beginnt mit Bauarbeiten größeren Stils am Schloß Friedeburg. 1563 Teilung Vorderort in Arnstein, Artern, Bornstedt, Eisleben, Friedeburg und Heldrungen. Fienstedt gehört zu Mansfeld-Vorderort, Friedeburg.

Die Zeit der Reformation und Gegenreformation brachte neue Turbulenzen in das Mansfelder Land. Während ein Großteil der Mitglieder der Vorderorter Linien (besonders Hoyer VI. von Mansfeld) weiterhin dem katholischen Glauben treu blieb, waren die damaligen Repräsentanten der Mittelorter Linie: Gebhard VII. sowie sein Sohn Jobst I. und Hinterorter: Albrecht VII. – nicht zuletzt durch die enge Freundschaft zu Martin Luther – glühende Verfechter des protestantischen Glaubens.

Als die Bauernkriege im Mai 1525 große Teile der Mansfelder Grafschaft verwüsteten, die Klöster geplündert waren, ließ Albrecht VII., die entbrannten Bauernaufstände blutig und mitleidslos niederschlagen. Nach dem Bauernkrieg säkularisierte Graf Albrecht auch die restlichen Klöster in seinem Anteil der Grafschaft Mansfeld (Mansfeld-Hinterort, ungefähr ein Fünftel des Gesamtgebietes: mit Eisleben, Schraplau, Mansfeld, Rammelburg, Allstedt, Rothenburg) und führte die evangelische Lehre ein, gegen den Widerstand eines Teiles der Mansfelder Grafen und des Kaisers. (Erster protestantischer Geistlicher in Fienstedt Cyriax Körber, um 1557, siehe oben.)

Bis 1562 war Fienstedt ein alter Gerichtshauptort, in dem die Grafen von Mansfeld viermal jährlich Rügegericht abgehalten haben. Zeugnis dieser bäuerlichen Rechtspflege sind auch die Bauernsteine sowie zwei Pappelringe auf dem Dorfplatz.

Es war aber auch alter Gerichtshauptort, wohl ehe noch die friedeburgische Amtseinteilung wirksam wurden: „Zu Finstett hält man jährlich vier Hochgerichte und auch vier Nachgerichte. Das erste Hochgericht Dornstag nach trium Regum, das andere die Woche Quasi modo geniti, das 3. Dornstag nach Trinitatis, das 4. Dornstag nach der Gemeindewoche, und die Nachgerichte allezeit 14 Tage darnach, da die, so in Hohegerichten gerügt worden, Abtrag machen müssen.“ Bis der Friedeburger Amtmann Achim Pentz, der harte Bauernschinder, diese Gerichte 1562 in die Salzmünder Schenke legte, sie verkleinerte, und die Fienstedter Bauermeister, welche diese Bauernsprachen ausrichteten, in ihren Rechten verkümmerte.

[aus: Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld, Neuß, 1938]

 
1579 erfolgt wegen der hohen Verschuldung der Mansfelder Grafen von 2,75 Millionen Gulden die Sequestration (Zwangsverwaltung). Teile gehören zu Kurbrandenburg (die sogenannte Magdeburger Hoheit), andere Teile werden kursächsisches Verwaltungsgebiet.

Mansfeldia Comitatvs. Joan Blaeu (1596-1673). 1665 Mansfeldia Comitatvs. Joan Blaeu (1596-1673). 1665

1222 Finegestad

[Quelle: Zeitschrift des Harzverein für Geschichte und Altertumskunde; Jacobs, Eduard, 1833-1919 Vierter Jahrgang 1871, Erstes und zweites Heft, S.55] [Quelle: Zeitschrift des Harzverein für Geschichte und Altertumskunde; Jacobs, Eduard, 1833-1919 Vierter Jahrgang 1871, Erstes und zweites Heft, S.55]

Aderant autem fratres de domo Theutonicornm : frater Hermannus, Otter cognomine, frater Ulricus de Thornethe, frater Henricus de Finegestad, frater Hugoldus de Langele.

Bruder Hugold von Langele ist mit Henricus von Finegestad und anderen Brüdern des Deutschordens in Quedlinburg Zeuge bei der Schenkung eines Waldanteils seitens Graf Siegfried von Blankenburg an das dortige Kloster Münzenberg.

Gesamtwappen Graf Mansfeld

Das Mansfelder Wappen ab 1481 (= Mansfeld-Vorderort) in Siebmachers Wappenbuch von 1605<br><br>links oben und unten rechts: (Querfurt-)Mansfeld (= Mansfeld-Hinterort)<br>wobei sechs rote Rauten = Stammwappen Mansfeld und vier rote Querbalken =Querfurt<br>rechts oben: Arnstein<br>links unten: Heldrungen Das Mansfelder Wappen ab 1481 (= Mansfeld-Vorderort) in Siebmachers Wappenbuch von 1605

links oben und unten rechts: (Querfurt-)Mansfeld (= Mansfeld-Hinterort)
wobei sechs rote Rauten = Stammwappen Mansfeld und vier rote Querbalken =Querfurt
rechts oben: Arnstein
links unten: Heldrungen

Gebhard I von Mansfeld-Vorderort

Johann Gebhard von Mansfeld (1524–1562) als Erzbischof und Kurfürst. Tuschezeichnung von Joseph Michael Laporterie, um 1800. Kölnisches Stadtmuseum, Sammlung Merle Johann Gebhard von Mansfeld (1524–1562) als Erzbischof und Kurfürst. Tuschezeichnung von Joseph Michael Laporterie, um 1800. Kölnisches Stadtmuseum, Sammlung Merle
Johann Gebhard wurde als 16. Kind des Grafen Ernst II. von Mansfeld zu Vorderort und dessen zweiter Ehefrau Dorothea zu Solms- Lich geboren. Er hatte insgesamt einundzwanzig Geschwister. Diese große Kinderzahl stellte die Familie vor Versorgungsprobleme.

Mansfeldische Chronik. 1572

 Cyriacus Spangenberg Mansfeldische Chronica Von Erschaffung und Austheilung der Welt, und insonderheit von der Graveschafft Mansfelt, und den alten und ersten Deutschen Königen und Fürsten ... Und von gemeinen Polittischen und Weltlichen hendeln, so sich in Friede oder Kriegsleufften in dieser Landart, Sachsen, Thüringen und am Hartz ... zugetragen ... [Eisleben, A. Petri] 1572. Cyriacus Spangenberg Mansfeldische Chronica Von Erschaffung und Austheilung der Welt, und insonderheit von der Graveschafft Mansfelt, und den alten und ersten Deutschen Königen und Fürsten ... Und von gemeinen Polittischen und Weltlichen hendeln, so sich in Friede oder Kriegsleufften in dieser Landart, Sachsen, Thüringen und am Hartz ... zugetragen ... [Eisleben, A. Petri] 1572.

Peter Ernst I. von Mansfeld-Vorderort

Peter Ernst I. von Mansfeld-Vorderort
Peter Ernst (1517-1604) nannte sich von Mansfeld-Friedeburg. Er wurde Statthalter von Luxemburg und überliess die Verwaltung seinem Neffen, der der Linie Mansfeld-Bornstedt entsprang.

Taler 1611

Taler 1611
Mansfeld-vorderortische Linie zu Bornstedt Bruno II., Wilhelm I. Johann Georg IV. und Volrath VI. 1605-1615 Taler 1611