FIENSTEDT | SALZATAL

30/7-jähriger Krieg

Dreißigjähriger Krieg

1618–1648

Im Jahre 1625 nimmt Wallensteins Armee Halle ein. Seine Truppen zogen auch plündernd durch die Grafschaft Mansfeld.

1636 besetzt der schwedische Feldmarschall Johan Banér (1596-1641) das Gebiet und drangsaliert die Bevölkerung („Jahr der Schwedengreuel“). Auch Franzosen besetzen Fienstedt. Das Gehöft von Anspänner BOLTZE dient dem französischen Generalsstab als Hauptquartier. Weitere Plünderungen.

 

1636 brannte die Pfarre in Fienstedt ab, und weil auch das ganze Dorf verlassen war, gab es 14 Jahre hindurch keinen Geistlichen in demseben.

[Quelle: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt]

 

1636 brannte nicht nur die Pfarre mit allen Kirchenbüchern, Akten und Urkunden ab, sondern fast das gesamte Dorf. Gegen Ende des Krieges ist Fienstedt verlassen.

Pfarrer Zeidler und seine Kinder

1649–1780

Nach dem westfälischen Frieden 1648 fiel die Grafschaft Mansfeld und Friedeburg mit Halberstadt und Halle an Kurbrandenburg.

 

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), durch den die Pfarrstelle längere Zeit unbesetzt geblieben war, wurde im Jahre 1649 der junge Gottfried Zeidler (1623-1699) zum Pfarrer ernannt.

[Quelle: „Clerus Mansfeldicus ... In der gantzen Graffschafft Mansfeld, Von Lutheri Reformation an, bis auf gegenwärtige Zeit“, 1742]

 

In seiner Amtszeit wurde die Kirche, weil siegar baufällig“ gewesen, fast ganz neu gebaut und erheblich vergrößert (1662/1663).

Die St. Stephanskirche, deren mittelalterlicher Ursprung nur noch in Spuren am Turm erkennbar und die sonst ein Werk der geglückten Umbauten von 1662/63, 1730 und 1871 ist, war, wie in manchen Alt-Dörfern des Landes – das sind diejenigen nachweislich thüringischen Ursprungs – nicht das einzige Gotteshaus. So hat „hinter Fienstedt“ der Landrichter Caspar Schröter zu Ehren S. Annen eine Klause oder Kapelle erbaut. Ein loser Bube, der sie einst beraubte, mußte die Tat zu Friedeburg mit dem Leben büßen. An der westlichen Grenze der Fienstedter Gemarkung erstreckt sich das „Kirchenfeld“, der Karte nach schon auf Gorslebener Flur. Ob der Name eine letzte Erinnerung an die Annenkapelle ist?

Die Wirren des 30 jährigen Krieges hatten den Landstrich weitgehend entvölkert. Verwaiste Dörfer, die Bewohner an Krankheit oder Hunger umgekommen, geflohen oder vertrieben, und verödete Fluren bestimmten das Bild nach Beendigung des langen Krieges.

Besonders lange entvölkert blieben jene Dörfer, deren Bewohner sich nicht hinter die Mauern einer nahe gelegenen Stadt oder in Wälder hatten retten können. „Caduce Höfe“, deren Eigentümer nicht mehr nachweisbar waren, waren billig zu erwerben, und das Amt Friedeburg hatte großes Interesse daran, neue Besitzer zu finden und gestand ihnen sogar gewisse Vergünstigungen bei der Entrichtung von Abgaben und Steuern zu. Es war darauf bedacht, daß verödete Äcker wieder kultiviert, auferlegte Steuern und Abgaben so schnell als möglich wieder entrichtet und Zug- und Spanndienste wieder geleistet wurden.

Gottfried Zeidlers drittes Kind Susanna Elisabeth (1657–um 1706) wurde am 16. März 1657 geboren und lebte bis zur ihrer Heirat (1684) mit dem neu ernannten Pfarrer von Detershagen und Schermen, Andreas Haldensleben, in Fienstedt.

Ihr Bruder Johann Gottfried (1655–1711) wurde 1679 nach Fienstedt berufen, wo er 20 Jahre seinem erblindeten Vater als Substitut-Pfarrer beistand, Nach dem Tod des Vaters lehnte er die Pfarrstelle ab und ging nach Halle, wo er nach einige Zeit Auktionator der Universität Halle, die 1689, nachdem Halle seit 1680 zu Preußen gehörte, gegründet wurde.

Der letzte Mansfelder. Brandenburg-Preußen wird Oberlehnsherr.



Im 17. Jahrhundert starben sowohl die Mittel- (1602) als auch die Hinterorter (1666) Linien im Mannesstamm aus.

Seit 1680 Grafschaft Mansfeld Magdeburger Hoheit. Brandenburg-Preußen ist Oberlehnsherr. Fienstedt gehört zum Schraplauer Kreis, Oberamt Friedeburg.

 

Delineatio geographica Comitatus Mansfeldensis ad jurisdictionem tum Saxonicam tum Brandenburgicam spectans. cum praefectura Sangerhusana Querfurtensi, Sittenbacensi, Allstaedensi, et locis finitimis cura / Matth: Seutteri, Geogr. Caes. Aug. Vindel. Cum Privil: S. M. Polon. et Elect. Saxon. ; Tob. Conr. Lotter sculps.

Delineatio geographica Comitatus Mansfeldensis ad jurisdictionem tum Saxonicam tum Brandenburgicam spectans. cum praefectura Sangerhusana Querfurtensi, Sittenbacensi, Allstaedensi, et locis finitimis cura / Matth: Seutteri, Geogr. Caes. Aug. Vindel. Cum Privil: S. M. Polon. et Elect. Saxon. ; Tob. Conr. Lotter sculps.


1710 starb der letzte auf Schloss Mansfeld wohnende Graf Georg III., und am 31. März 1780 ereilte dieses Schicksal auch den gänzlich letzten männlichen Mansfelder Grafen Josef Wenzel Nepomuk von Mansfeld-Vorderort-Bornstedt. Er verunglückte mit der Kutsche. Da sämtliche Lehen der Grafen Mannlehen und damit weibliche Nachkommen nicht erbberechtigt waren, fielen diese an die Lehnsherren zurück; namentlich an Kursachsen und Preußen als „Nachfolger“ des Erzbistums Magdeburg. (1780-1806 Königreich Preußen, Herzogum Magdeburg)

 

1730 Kirchenumbau.

 

1734 Kurbrandenburg erläßt das „Auflassungspatent“, welches das freie Schürfen nach Bodenschätzen erlaubt. Es finden sich Bergwerke auch bei Fienstedt.

1750

<b>Comitatvs Mansfeld</b> prout ille juris hodie Saxonico Electoralis et Magdeburgici, atque adeo secundum statum novissimum se habet, geographice ab anonymo delineatus, Ad normam legitimae designationis reductus = Die <b>Grafschaft Mansfeld</b> Königl. Preuss. und Churfürstl. Sächsischen Antheils mit allen darinnen befindlichen Städten Dorffchaften, Kupferhütten, Bergwerks-Stolen, Berg-Gränzen und Holzungen C. P. S. C. M. / a Tob. Majero. Curantibus Homannianus Heredibus A. MDCCL Comitatvs Mansfeld prout ille juris hodie Saxonico Electoralis et Magdeburgici, atque adeo secundum statum novissimum se habet, geographice ab anonymo delineatus, Ad normam legitimae designationis reductus = Die Grafschaft Mansfeld Königl. Preuss. und Churfürstl. Sächsischen Antheils mit allen darinnen befindlichen Städten Dorffchaften, Kupferhütten, Bergwerks-Stolen, Berg-Gränzen und Holzungen C. P. S. C. M. / a Tob. Majero. Curantibus Homannianus Heredibus A. MDCCL

siebenjähriger Krieg

1756–1763

Während des 7-jährigen Krieges (1756-1763) mussten die Männer Kriegsdienst im preußischen Heer leisten. Die Rekrutierung von Soldaten in der Grafschaft Mansfeld erfolgte mit aller Brutalität.

Wieder hatten die Teile der Grafschaft Mansfeld, die unter kurbrandenburgischer, ehemals Magdeburger Hoheit standen, unter den Truppendurchzügen, besonders aber durch das die Truppen begleitende räuberische Gesindel schwer zu leiden.

 

24. April 1757 Karl Heinrich Joerdens (Lehrer, Herausgeber von Schulbüchern, Lexika, Übersetzer) wird in Fienstedt geboren.

1785

Ausführliche topographische Beschreibung des Herzogthums Magdeburg und der Grafschaft Mansfeld, Magdeburgischen Antheils.

Berlin, gedruckt bei Georg Jakob Decker, Königlischem Hofbuchdrucker. 1785.

Fienstädt, ein zum Königl. Oberamte Friedeburg gehöriges Dorf, liegt drittehalb Meilen südöstlich von Mansfeld und enthält mit Inbegriff von 1 Kolonistenhause, 36 Feuerstellen, worunter 13 Vollspänner, 1 Halbspänner, 3 große und 11 kleine Cosäten sind. Die Gemeine welche 2450 Morgen Ackerland, 86 Morgen Wiesewachs und 23 Morgen Gärten, nebst gemeinschaftlichen Percinenzstücken, als: 2 1/2 Morgen Wiesewachs, 10 Morgen Holzung und ungefähr 60 Morgen Angerweide besitzt, muß ihre Feldmark vom Dorfe Zaschwitz im Saalkreise, und von dem Amtsvorwerke in Pfützenthal mitbehüthen lassen, und ist dem Amte Friedeburg dienstpflichtig. Die hiesige Mutterkirche erkennt den König als ihren Patron, und gehört zur zweiten geistlichen Inspektion der Grafschaft Mansfeld. Im Jahr 1784 war 209 die Seelenzahl, und in den vorhergehenden zehn Jahren sind 69 geboren und 53 gestorben.



13 Vollspänner, aber nur 1 Halbspänner; nur 3 große, aber 11 kleine Kossaten. Die 13 Vollspänner – das ist der Kern der alten germanischen, der thüringischen Siedlung; die 11 kleinen Kossaten aber die Neuanbauer, die die sorbischen, immer wieder überfluteten Sumpfnester in der Saaleaue aufgaben, um auf die Hochfläche zu ziehen.
[aus: Wanderungen durch die Grafschaft Mansfeld, Neuß, 1938]


Nach den Hypothekenbüchern und Grundakten des Landesarchives sind um 1800 folgende Eigentümer in Fienstedt bekannt (in Klammer die Aktenlaufzeit):
 
ANSPÄNNER
Friedrich August BOLZE (1787-1802)
Johann Christian BOLZE (1800-1804)
Martin Gottfried HARTMANNS (1798-1808)
Johann Gottfried HEMPEL (1784-1808)
Friedrich Christian KNAPE (1800-1808)
August LODDERSTEDT (1797-1808)
Johann Christian PALLAS (1780-1807)
Carl REUSSNER (1768-1805)
Gottfried REUSSNER (1774)
Carl Friedrich ZORN (1767-1808)
 
HALBSPÄNNER
Carl Gottfried BOLZE (1773-1807)
 
KOSSATEN:
Johann Jacob BEYER (1765-1808)
Samuel BOLZE und Anna Magdalena BOLZE (1800-1804)
Samuel BRANDT und Christoph BRANDT (1766-1809)
Georg ERMISCH (1802-1809)
Martin HECKLAU (1802-1804)
Marie Dorothee HEINRICH, geb. BORN (1792-1806)
Johann Christian KLEEMANN (1794)
Christian SIEB (1788-1807)
 
HÄUSLER:
Marie Dorothee BLUM (1800-1806)
Johann Christian ENGLER (1788-1801)
Johann Christian KIESELER (1791-1792)
Andreas Thilo HAEDICKE (1801)
Gottfried ZIMMERMANN (1777)

SCHMIEDE:
Johann Carl SCHALLER (1782-1804)
Johann Zacharias WINTER (1773)
Der schwedische Feldmarschall Johan BANÉR.

Pfarrer Zeidler und seine Kinder

Pfarrer Zeidler und seine Kinder
Der erste  Eintrag von Gottfried ZEIDLER (1623-1699) im Taufbuch (1649).

Susanna Elisabeth ZEIDLER Jungferlicher Zeitvertreiber, 1686

daraus Leseprobe: Klage über die tyrannischen Ziegenböcke

Johann Gottfried ZEIDLER Acht hundert jähriger an einander hangender Stammbaum Des Uralten Hochlöblichen Helden=Hauses Der Hochgebohrnen Graffen und Herren zu Mannsfeld ..., Halle 1703

Karl Heinrich Joerdens

Karl Heinrich Joerdens
Karl Heinrich JOERDENS Blumenlese. Sinngedichte., Berlin 1789

Mansfeld nach 1780

 Die Grafschaft Mansfeld Kur Saechsisch und Kur Brandenburgischen Antheils. 1791 Die Grafschaft Mansfeld Kur Saechsisch und Kur Brandenburgischen Antheils. 1791